14.03.2003

Trinkwasserleitungen in der Hausinstallation

Wechselwirkungen zwischen Rohrleitungsmaterialien und Trinkwasser

Als idealer Werkstoff für den Trinkwasserleitungsbau galten lange Zeit Installationsmaterialien aus Metall, aufgrund ihrer hohen Beständigkeit, Festigkeit, ihrer antibakteriellen Wirkung und ihrer technisch problemlosen Verarbeitung.

Es werden jedoch stets (Schwer)-Metallionen aus den Rohrleitungen gelöst. Ihre Konzentration im Trinkwasser ist von einer Reihe physikalischer und chemischer Einflußfaktoren abhängig:

Art des Metalls. Je unedler ein Metall ist, desto leichter wird es von Wasser oxidiert (z. B. Rosten von Eisen). Einige Metalle bilden dichte schwerlösliche Oxidschichten (Pb, Zn, Al), die den Angriff des Wassers passivieren. Die Konzentration des Metallions im Wasser wird dann durch die Löslichkeit der Oxidschicht bestimmt.

pH-Wert. Je kleiner der pH-Wert des Wassers ist, desto leichter werden Metalle und Metalloxide gelöst. Der pH-Wert des Trinkwassers muss deshalb nach Trinkwasserverordnung (TrinkwV) zwischen 6.5 und 9.5 liegen.

Wasserhärte. Unter Wasserhärte versteht man den gelösten Anteil an Kalzium- und Magnesiumverbindungen. Ein weiches Wasser (geringe Ca- und Mg-Konzentrationen) begünstigt die Lösung der Metalle und Metalloxide.

Pufferkapazität. Je unausgewogener das Kalzium-Kohlensäure-Verhältnis ist, d. h. je mehr freie Kohlensäure im Wasser vorhanden ist, desto geringer ist die Pufferkapazität und um so stärker werden Metallionen aus dem Rohrmaterial gelöst.

Gehalt an Chlorid und Sulfat. Ein hoher Gehalt an Chlorid und Sulfat hat besonders auf die Beständigkeit von Edelstahllegierungen, aber auch auf die Korrosionsbeständigkeit von Aluminium- und Kupferrohren und Rohren aus verzinkten Materialien einen negativen Einfluss [DIN 50930].

Kontakt unterschiedlicher Metalle. Sind Rohre aus verschiedenen Metallen direkt verbunden oder treten sie durch eine Elektrolytlösung in indirekten Kontakt, so wird das unedlere Metall aufgelöst. Unedel bedeutet, dass das Metall ein negatives Elektrodenpotential gegenüber der Wasserstoffelektrode besitzt, also in der  elektrochemischen Spannungsreihe weiter links steht: ( Al < Zn < Fe < Pb < Cu.). Selbst die Wirksamkeit passivierender Schutzschichten wird durch die Anwesenheit eines edleren Metalls stark herabgesetzt.

Stagnationsdauer bzw. Fließgeschwindigkeit des Wassers. Die Auflösung der Metalle durch das Leitungswasser ist eine Gleichgewichtsreaktion. Manchmal ist der Gleichgewichtszustand schon nach einer Stagnationszeit von ein paar Stunden erreicht, zumindest in Rohrleitungen, die einige Wochen nicht benutzt wurden. Höhere Fließgeschwindigkeiten verhindern dagegen die Ausbildung des Gleichgewichtszustandes, der Metallgehalt im Wasser geht zurück.

Turbulente Strömungen. Durch turbulente Strömungen werden Inkrustationen abgerissen und gelangen so in das Trinkwasser.

Fremdkörper. Fremdkörper in den Leitungsrohren, wie Sand, Metallspäne und Dichtungsreste aus Hanf und Gummi fördern die Kontaktkorrosion des Metalls und führen so zu einer höheren Metallkonzentration im Leitungswasser.
Das Problem von Blei im Trinkwasser wird ausschließlich dadurch hervorgerufen, dass Trinkwasser durch Bleirohre fließt, oder dass Bleilote zur Installation von Kupferrohren benutzt worden sind. Eine Bleikontamination des von den Wasserwerken abgegebenen Trinkwassers ist auszuschließen. 10 - 20 % aller Hausinstallationen in der BRD sind noch in Blei ausgeführt, in der ehemaligen DDR sind wahrscheinlich noch erheblich mehr Trinkwasserrohre aus Blei vorhanden.

Da vom Blei im Trinkwasser im Vergleich mit anderen chemischen Verunreinigungen zur Zeit eine der größten bekannten Gesundheitsgefährdungen ausgeht, legt die TrinkwV einen Grenzwert von 40 µg/l fest, der jedoch bei Hausinstallationen aus Blei sehr häufig überschritten wird.

Bei einer geringen  Kontamination des Trinkwassers (10 - 20 µg/l) beträgt der Anteil des durch das Trinkwasser aufgenommenen Blei im Vergleich zur Gesamtaufnahme (zusätzlich durch Nahrung und Atemluft) für einen Erwachsenen bereits ca. 15 % , wobei die Resorptionsraten von Alter, Ernährungszustand u. a. Faktoren abhängig sind. Besonders gefährdet sind Kleinkinder und Säuglinge, die durch ihre höhere Stoffwechseltätigkeit eine wesentlich höhere Resorptionsquote für Blei haben als Erwachsene und deren Gehirn durch eine noch unvollständig ausgebildete Blut-Hirn-Schranke weniger geschützt ist.

Die gesundheitsgefährdende Wirkung des im menschlichen Organismus nicht notwendigen Schwermetalls Blei ergibt sich im wesentlichen aus der Störung der Funktionstüchtigkeit des Zentralnervensystems durch Blei bzw. der Verursachung von Entwicklungsstörungen des sich ausbildenden Gehirns bei Föten und Kleinkindern [SRU88]. Weiterhin stört Blei die Bildung des roten Blutfarbstoffes und eventuell biochemisch ähnlicher Substanzen. Blei wirkt schon im Mikrogrammbereich als chronisches Gift und gilt als krebsverdächtig [WAS90]. Die Symptome einer chronischen Bleivergiftung, wie schnelle Ermüdbarkeit, nervöse Störungen, Blutarmut und Verdauungsstörungen, aber auch die Gefahr von Fehlgeburten werden selten als Bleierkrankungen diagnostiziert, weil sie mit einer Vielzahl anderer Erkrankungen in Zusammenhang gebracht werden können.

Die Bleilöslichkeit wird durch eine Reihe von chemischen und physikalischen Faktoren beeinflusst. Ein weiches, saures Wasser und ein hoher Sauerstoffgehalt begünstigen sie. Die Gegenwart von Chloriden, Nitraten und Sulfaten im Trinkwasser hat einen vernachlässigbaren Einfluss auf die Löslichtkeit von Blei, dagegen reduzieren bereits geringe Orthophosphatkonzentrationen den Bleigehalt des Leitungswassers. Physikalische Einflussgrößen, die den Bleigehalt im Wasser erhöhen, sind lange Standzeiten, niedrige Fließgeschwindigkeit, geringer Rohrdurchmesser und erhöhte Temperaturen. In älteren Rohren kann sich eine Korrosionsdeckschicht bilden, die eine gewisse "schützende" Wirkung bietet.

Trinkwasserleitungen aus Kupfer

Kupfer ist ein häufig verwendeter Werkstoff in der Hausinstallation. In den alten Bundesländern bestehen ca. 75 % aller Trinkwasserrohre in Neubauten aus diesem Metall. Wegen der leichten Verarbeitbarkeit und der vermeintlichen Unschädlichkeit für den Menschen galt Kupfer lange Zeit als idealer Werkstoff für den Trinkwasserleitungsbau.

Dass Kupfer durch das Trinkwasser aus den Rohrleitungen gelöst wird, schien nicht bedenklich, da es für den Menschen ein lebensnotwendiges Spurenelement darstellt. Der tägliche Mindestbedarf für Erwachsene liegt bei 20 - 40 µg, für Säuglinge bei ca. 50 µg je Kilogramm Körpergewicht und Tag.

In größeren Mengen kann Kupfer gesundheitsschädigend wirken. Beim erwachsenen Menschen wird Kupfer nicht im Körper angereichert, sondern über die Galle ausgeschieden. Bei Säuglingen und Kleinkindern dagegen speichert sich dieses Schwermetall in der Leber und kann zu Lebervergiftungen führen. Zum ersten Mal wurde 1987 ein Zusammenhang zwischen einer tödlich verlaufenden Leberzirrhose von Säuglingen und deren Ernährung mit stark kupferhaltigem Trinkwasser (3 mg/l) nachgewiesen. Der in der Neufassung der TrinkwV [TV090] vorgeschriebene Richtwert von 3 mg/l Cu ist vor diesem Hintergrund entschieden zu hoch anzusehen (gesundheitliche Störungen beginnen schon bei 0,8 mg/l Cu) und kann für Säuglinge sogar tödliche Folgen haben.

In diversen Publikationen ist der Einfluß verschiedener Wasserparameter auf den Kupfergehalt im Trinkwasser untersucht wurden. Dabei wird deutlich, dass Wasserhärte und pH-Wert ausschlaggebend für die Konzentration des Metalles im Wasser sind. Besonders aggressiv ist ein weiches, kalkarmes Wasser (< 7 °d), welches Kupfer- und andere Metallrohre stärker angreift als ein Wasser mit 10 bis 25 °d. Ein sehr hoher Kupfergehalt ist bei saurem Wasser (pH-Wert um 6.5, der nach TrinkwV noch zulässig ist) zu verzeichnen [WAG88]. Unter diesen Bedingungen korrodieren Kupferleitungen stark und es treten hohe Kupferkonzentrationen im Trinkwasser auf [BGA90].

Ein extrem hoher Kupfergehalt wurde ebenfalls im Falle von Rohren, die nicht nach DIN 1798 hergestellt wurden oder die bei der Verlegung stark verformt wurden, nachgewiesen. Bei diesen Rohren tritt verstärkt eine Loch- und Spaltkorrosion auf, die zusätzlich durch Rohrverunreinigungen gefördert wird. Bei einer Sanierung bzw. Neuverlegung sollte deshalb unbedingt auf eine fachgerechte Installation [DIN 1988 Teil 2] geachtet werden [WAN85, HEI86]. Bei Neuinstallationen sind unter vergleichbaren Bedingungen die Kupferkonzentrationen durchgehend höher, als bei zwei und mehr Jahre alten Anlagen, da sich innerhalb der ersten Jahre eine Deckschicht an den Rohrinnenwandungen ausbildet, die einen gewissen Schutz vor weiterer Korrosion bietet. Bei höheren Temperaturen, also im Warmwasserbereich, bildet sich diese Deckschicht schneller und zuverlässiger aus, so dass keine Installationszeitabhängigkeit der Cu-Konzentration zu beobachten ist.

Die Verwendung bleihaltigen Weichlotes zur Verbindung kupferner Rohre führt zur elektrolytischen Korrosion des Lotes, was extrem hohe Bleikonzentrationen im Trinkwasser nach sich zieht [LYA77]. Deshalb ist nach DIN 1798 für die Installation von Trinkwasserleitungen aus Kupfer die Verwendung von bleifreiem Lot vorgeschrieben.

Trinkwasserleitungen aus Eisenwerkstoffen (verzinkter Stahl, Edelstahl)

Neben den Kupferrohren haben Trinkwasserleitungen aus Eisenwerkstoffen den größten Marktanteil. Da Eisen in sauerstoffhaltigem Wasser stark rostet, werden Eisenrohre im Bereich der Hausinstallation durch eine Zinkschicht oder durch Legierung zu Edelstahl davor geschützt.

Eisen ist ein essentielles Spurenelement und von zentraler Bedeutung für den menschlichen Organismus. Zur Deckung des täglichen Bedarfs sind ca. 5 - 30 mg Eisen erforderlich, die aus der Nahrung und dem Trinkwasser aufgenommen werden.

Der Eisengehalt im Trinkwasser liegt weit unter der als schädlich für den Menschen angesehenen Grenze von 200 mg/l. Trotzdem treten bei den vorkommenden Mengen unangenehme Auswirkungen auf, da Eisenionen bei Kontakt mit gelöstem Sauerstoff ausflocken. Färbungen, Trübungen, Ablagerungen, Rostflecken und metallischer Geschmack sind Folgen dieses Vorgangs. Aus diesen Gründen werden bereits kleine Mengen als Störstoff betrachtet, obwohl Eisen als Spurenelement im Trinkwasser wünschenswert wäre. Die TrinkwV setzt den Grenzwert auf 0,2 mg/l fest. Dies ist eine technische Vorgabe, die dem Schutz vor Ablagerungen in Behältern und Rohrleitungen und zur Vermeidung aufwendiger Reinigungsmaßnahmen dient [WAS90].

Bei gleichbleibender Qualität des Wassers (konstante Wasserparameter) und gleichmäßiger Strömung bildet sich in Rohren aus Gußeisen und unlegiertem Stahl eine Deckschicht aus, die eine weitere Korrosion verhindert. Ändert sich jedoch die Wasserqualität und die Fließgeschwindigkeit, steigt der Eisengehalt des Trinkwassers stark an.

Hohe Eisengehalte sind häufiger in Trinkwasser aus Hausbrunnen nachweisbar, das durch verzinkte Eisenrohre gefördert wird. Nach teilweiser Abtragung der Zinkschicht kann sich wegen der stoßweisen Entnahme keine Deckschicht ausbilden und der meist sowieso schon höhere Eisengehalt des Grundwassers wird durch das Rohrmaterial zusätzlich erhöht.

Stahlrohre werden häufig mit einem Zinküberzug versehen, da Zink eine schützende Oxidschicht bildet. Die Wirksamkeit und Dauerhaftigkeit des Überzugs hängt von seinem Herstellungsverfahren, den Wasserparametern und dem Kontakt zu anderen Metallen ab.

Vorgeschrieben ist eine Verzinkung nach DIN 2444. Es wird eine gut haftende ca. 50 - 100 µm dicke Schicht je zur Hälfte aus Reinzink und Hartzink (Eisen/Zink-Legierung) aufgetragen. Früher hergestellte sogenannte luftausgeblasene Verzinkungen sind ebenso wie neu entwickelte Verzinkungen mit höherem Rein- bzw. Hartzinkanteil in ihren Korrosionseigenschaften schlechter zu beurteilen.

Dauerversuche an verzinkten Stahlrohren ergaben:
 

Zink ist ein essentielles Spurenelement für den menschlichen Organismus. Der Tagesbedarf liegt für Erwachsene bei etwa 200 µg/kg Körpergewicht, bei Kindern sogar fünfmal so hoch. Bei Aufnahme von größeren Mengen (150facher Tagesbedarf) treten Unterleibskrämpfe und blutiger Durchfall auf. Große Zinkmengen blockieren die Kupferaufnahme durch die Darmwand und können so zu Kupfermangelerscheinungen führen. Trotz dieser aufgeführten Wirkungen gilt Zink in den Konzentrationen, in denen es normalerweise von verzinkten Stahlrohren abgegeben wird, als unbedenklich.

Zink ist häufig mit den chemisch ähnlichen Elementen Blei und Cadmium verunreinigt. Nach DIN 2444 darf in der Zinkschicht jedoch maximal 0,01 % Cadmium enthalten sein, wobei höchstens 1 µg/l an das Trinkwasser abgegeben wird.

Cadmium ist ein für den Stoffwechsel nicht benötigtes Schwermetall und daher in jeder Konzentrationen unerwünscht. Das langfristig in kleinen Mengen aufgenommene Cadmium reichert sich hauptsächlich in der Nierenrinde und in der Leber an und kann dort oberhalb einer kritischen Konzentration (ca. 200 mg/kg) zu Nierenschäden bzw. Nierenversagen führen. Bei bestimmten Risikogruppen ist Vorsicht geboten, da sie Cadmium stärker resorbieren. Bei leichtem Eisenmangel, wie er bei Kindern in den ersten Lebensjahren und bei Schwangeren auftritt, erhöht sich die Resorptionsrate von 6 % auf ca. 15 %.

Desweiteren wird Edelstahl als Werkstoff für Trinkwasserleitungen verwendet. Edelstahl entsteht aus Eisen durch Legierung mit Chrom und Nickel. Als weitere Legierungsbestandteile kommen Molybdän, Mangan, Silizium, Wolfram, Vanadium, Kobalt, Titan und Niob in Frage. Edelstähle sind durch eine Cr3O4-Schicht passiviert und korrodieren somit nur geringfügig. Bei mechanischen Verletzungen (Kratzen, Stoßen) bildet sich diese Oxidschicht sofort wieder nach. Sofern die Passivität durch hohe Chloridgehalte im Wasser nicht aufgehoben wird (Loch- und Spaltkorrosion) ist die Korrosion von Edelstahl sehr gering und somit auch die Metallkonzentration von Chrom und Nickel im Trinkwasser.

Der Schwachpunkt der Edelstahlrohre ist die elektrolytische Korrosion. Sie tritt bei Kombination mit anderen Installationsteilen aus Metall, bei Schweißnähten und Lötstellen auf, da diese ein anderes Elektrodenpotential besitzen als die Edelstahllegierung. Der Verbindung von Edelstahlrohren sollte deshalb große Aufmerksamkeit geschenkt werden. Es sollte auf Pressfittinge mit nichtleitenden Dichtungsmaterialien zurückgegriffen werden.

Trotz des hohen Energiebedarfs (20 kWh/kg Al) und der hohen Schadstoffemission bei der Aluminiumherstellung wurden in den letzten Jahren Aluminiumrohre für den Einsatz in der Hausinstallation getestet. Aluminium und Aluminiumlegierungen werden allerdings durch verschiedene Trink- und Brauchwässer angegriffen. Die Kombination mit anderen Metallen führt zur Korrosion, die nicht zu stoppen ist. Darüber hinaus gibt es einen Zusammenhang zwischen der Alzheimer Krankheit und einer erhöhten Aluminiumkonzentration im Gehirn. Aluminiumrohre sind deshalb keine Alternative in der Hausinstallation.

 

Hausinstallationen aus nichtmetallischen Werkstoffen

 

Seit Mitte der siebziger Jahre werden Trinkwasserrohrleitungen auch aus Kunststoffen hergestellt. Sie sind korrosionsbeständig, auch für Wässer mit niedrigen pH-Werten und an den Rohrinnenseiten bilden sich keine Inkrustationen aus kalkhaltigen Verbindungen. Außerdem besitzen sie ein geringeres Gewicht und eine höhere Flexibilität als Metallrohre. Die Verbindungstechnologie ist jedoch aufwendiger und das Langzeitverhalten der Kunststoffrohre scheint in der Praxis noch nicht genügend gesichert zu sein. Vereinzelt wurden Spannungsrisse infolge von Verformung und Versprödung Die gebräuchlichsten Kunststoffe sind vor allem Polyvinylchlorid (PVC), Polyethylen (PE) in verschiedenen Erscheinungsformen (PE-LD, PE-HD, VPE), desweiteren Polypropylen (PP), Polybuten (PB) und Polyamid (PA).

PVC und PE sind säure- und laugenbeständig, von polaren Lösungsmitteln werden PVC-Rohre angegriffen, PE-Rohre dagegen nicht. Chlor, Ozon und UV-Strahlen haben keine Wirkungen auf PVC, bei PE führen diese zu Versprödungen. PVC weist eine Hitzeempfindlichkeit auf, das Material erweicht ab 80 °C. Eine Temperaturstabilität ist für Rohre aus vernetztem PE (VPE) zu verzeichnen. Für Temperaturbereiche bis 60 °C ist das hochdichte Hart-PE (PE-HD) als Material für Trinkwasserleitungen gut geeignet. Weder PE noch PVC dienen als Nährboden für Bakterien, so dass es zu keiner Keimzahlerhöhung im Trinkwasser auf Grund der Kunststoffrohre kommt. Ein wichtiger Aspekt ist die Umweltverträglichkeit der o. g. Kunststoffe. PVC ist sowohl bei seiner Herstellung als auch bei seiner Entsorgung umweltschädigend. Das Umweltverhalten von PE dagegen ist weitaus günstiger zu beurteilen.

Die gesundheitliche Beurteilung von Kunststoffen ist durch DIN-Vorschriften und die Mitteilungen der Kunststoffkommission des Bundesgesundheitsamtes (KTW-Empfehlungen) geregelt. In diesen KTW-Empfehlungen sind Höchstgrenzen von Zusatzstoffen, welche nach dem heutigen Kenntnisstand noch keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen hervorrufen, festgelegt. Zusatzstoffe werden zur Verbesserung  der physikalischen Eigenschaften des Kunststoffes (z. B. Weichmacher, Stabilisatoren, Farbstoffe, Gleitmittel) zugegeben.

Glas- und Keramikleitungen sind vom gesundheitlichen Standpunkt positiv zu beurteilen, befinden sich aber derzeit noch in der Entwicklungsphase oder werden aus Wirtschaftlichkeitsgründen nur versuchsweise in der Hausinstallation eingesetzt.


Bis heute ist die Entwicklung keines Werkstoffes in der Hausinstallation so ausgereift, dass unter allen Bedingungen Trinkwasser durch das Rohrleitungsmaterial unbeeinflusst bleibt und die Herstellung des Werkstoffes als umweltverträglich einzustufen ist. Die Wasserbeschaffenheit, insbesondere der pH-Wert und die Wasserhärte, hat einen großen Einfluss auf die Korrosionsbeständigkeit  von Metallrohren, so dass durch Entsäuerung des Wassers die Situation generell verbessert werden kann. Trotzdem müssen Bleirohrleitungen sobald wie möglich ausgetauscht werden.

Die heute gebräuchlichen Kupferrohre sind vor allem für Säuglinge schädlich, hier sollte das Wasser regelmäßig kontrolliert und darauf geachtet werden, dass Kleinkinder nicht mehr als die täglich benötigte Dosis Kupfer durch das Trinkwasser aufnehmen. Auch wenn verzinkte Stahlrohre heutzutage kaum noch Cadmium enthalten, stellen sie in Gegenden mit nitrathaltigem Trinkwasser ein nicht zu unterschätzendes Gesundheitsrisiko dar, weil sich das giftige Nitrit bilden kann.

Nach dem heutigen Stand der Technik sind Edelstahlrohre, neben Kunststoffrohren aus Polyethylen, am ehesten zu empfehlen. Sie sollten allerdings nicht mit anderen Metallrohren kombiniert werden. Bei den Kunststoffrohren scheidet PVC wegen der Umweltbelastung in der gesamten Produktlinie aus. PE-Rohre scheinen jedoch momentan mit die beste Lösung zu sein.

Bei Glas- und Keramikrohren sind die technischen Probleme noch nicht so weit gelöst, dass sie als praktische Alternative schon in Frage kommen.

Quelle: http://www.tu-berlin.de/~messev/index.htm

 

Neue Trinkwasserverordnung

Am 1.1.2003 tritt eine neue Trinkwasserverordnung in Kraft. Die wesentlichen Punkte sind:

Materialien und Rohrverlegung

 

Zu den klassischen Materialien für Trinkwasserrohre wie Guß, Stahl oder Kupfer gibt es heute eine Reihe von Alternativen, z.B. Edelstahl, Polypropylen (PP) oder vernetztes Polyethylen (PE-X). Das Prüfzeichen des DVGW (2.1), das Voraussetzung für die Zulassung als Trinkwasserrohr ist, bescheinigt u.a. auch, dass das System über Spezial-Fittings an andere Rohrwerkstoffe angeschlossen werden kann und Rohre mit mindestens zwei Nennweiten beinhaltet (für Steig- und Verteilungsleitungen).

 

Korrosion

Verarbeitung

Umwelt-
Verträglichkeit


Eignung für
Regenwasser-
Nutzung

Kupferrohr

-

+

0

-

Edelstahlrohr

+ +

0

+

+ +

Kunststoffrohr
PVC

+ +

+ +

-

- *

Kunststoffrohr
PE PP PB

+ +

0

+

+ +

++ = gut + = geeignet 0 = bedingt geeignet - = nicht geeignet

* PVC-Rohre bereiten in der Anwendung keine Probleme. Sie sind aber wegen der mangelnden Umweltverträglichkeit bei ihrer Herstellung wie auch bei der Entsorgung grundsätzlich in Frage zu stellen.

 

Edeltstahlrohre in der Haustechnik

In verschiedenen Regionen Deutschlands ist das Trinkwasser derart aggressiv, dass "normales" Rohr nicht verwendet werden darf – es würde korrodieren. Aber auch in Betrieben der Lebensmittelindustrie oder der chemischen Industrie müssen oft Flüssigkeiten durch Rohre geleitet werden, die besonderen hygienischen Anforderungen gerecht werden müssen. In diesen Fällen verwendet man Rohre aus Edelstahl.

Durch die Verwendung von Edelstahl gibt es keine Korrosionsprobleme bei Trinkwasserleitungen oder anderen Medien. Diese Haushaltsinstallationen sind hygienisch unbedenklich.

 

Edelstahlrohre werden üblicherweise mit der Presstechnik verlegt. Diese Verbindungstechnik ist bereits drei Jahrzehnte alt. Damals allerdings gab es die Pressfittings und die Rohre nur aus schwarzem Stahl. Nach und nach kamen die anderen Werkstoffe hinzu, die heute in der Haustechnik eingesetzt werden (Kunststoff, Kupfer, Messing, Rotguss).

Edelstahl der saubere Werkstoff

Das Edelstahl-Pressfittingsystem zeichnet sich durch seine sicher, schnell und sauber herzustellende Rohrverbindungen aus. Die Verbindung erfolgt durch einfaches Verpressen von Pressfitting und Leitungsrohr. Rohrabmessungen von 12 bis 108 mm Außendurchmesser eröffnen dem Installateur vielseitige Einsatzmöglichkeiten. Die Verbindungen halten Drücken bis 16 bar und Temperaturen bis 120°C stand. Seit Mitte des Jahres 2000 gibt es in Deutschland auch Edelstahlfittings für die Gas-Installation.

Zur Herstellung der Pressfitting-Verbindung verwendet man ein Presswerkzeug. Die Palette reicht von elektromechanischen Presswerkzeugen zum Verpressen der Abmessungen 12 – 54 mm (DN 10 – 50) über die Netz bzw. Akku betriebenen Typen, die als Allrounder gelten, bis hin zum elektrohydraulischen Presswerkzeug für die großen Abmessungen.

 

Trinkwasserrohrleitungen ohne Kupfer

Die Qualität des Trinkwassers darf sich auf seinem Weg zum Endverbraucher nicht verschlechtern. 

Zurzeit werden folgende Werkstoffe eingesetzt:

- Kupfer
- PVC-U
- PE-X-Rohr
- Mehrschichtverbundrohr
- Edelstahl
 

Die Wahl des Werkstoffes richtet sich nach der Zusammensetzung des Wassers, die von den geologischen Verhältnissen Vorort abhängt. Bis zu einem Kohlensäuregehalt von 1 mmol/l ist der Einsatz von Kupfer zulässig. Bei einem höherem Gehalt besteht die Gefahr eines erhöhtem Kupfereintrags ins Wasser. 
Im Gütersloher Bereich beträgt der Kohlensäuregehalt 0,4 – 0,5 mmol/l. Trotzdem ist es in den letzten Jahren zu einem höherem Kupferaustrag gekommen als zu erwarten war. 
Bei älteren Kupferrohrleitungen verringert sich der Kupferaustrag wieder durch Ablagerungen, die eine Schutzschicht bilden. 
Durch die rege Neubautätigkeit der vergangenen Jahre ist die Kupferkonzentration im Abwasser ständig gestiegen, sodass der  zulässige Gehalt im Klärschlamm z.T. überschritten wurde. Diese Chargen mussten teuer verbrannt werden.
Daher empfehlen die Stadtwerke Gütersloh Ihren Kunden bei Neuanlage auf Kupfer zu verzichten und sich für alternative Rohrleitungssysteme zu entscheiden. 

 

 

Wasseraufbereitung

Aus verschiedensten Gründen kann es erforderlich sein Wasser aufzubereiten.

Das Trinkwasser der regionalen Versorgungsbetriebe ist vorwiegend sehr kalkhaltig und hart. Das führt unweigerlich zu Verstopfungen der Rohrleitungen und Armaturen, sowie zur Verkalkung von Heizstäben und –spiralen von Haushaltsgeräten.
Heizkosten steigen durch den erhöhten Energieaufwand.
Durch einen Leitungsinfarkt  kommt es zum Druckabfall in der Wasserleitung. 
Der Wasch- und Reinigungsmittelverbrauch ist bis zu 35% erhöht.

Derzeit gibt es verschiedene Methoden der Wasseraufbereitung.
- Wasserenthärtungsanlagen entziehen dem Wasser  mit Hilfe von Regeneriersalz Kalk.
- Bei der physikalische Wasserbehandlung wird der Kalk in eine andere Form verwandelt, sodass er sich nicht mehr anlagern kann, verbleibt aber im Wasser und steht uns weiterhin als lebenswichtiges Mineral für unsere Ernährung zur Verfügung.

Filtertechnik

Wasserfilter in der Hausinstallation verhindern, dass Feststoffe wie Rostpartikel oder Sandkörner ins private Wassernetz gelangen. Sie schützen teure Armaturen und Geräte und sind eine wichtige Vorsorgemaßnahme gegen Leitungsschäden durch Korrosion.

Brunnenwasseraufbereitung

Filteranlagen entfernen ungelöste oder gelöste Eisen- und Manganverbindungen aus Ihrem Trinkwasser.
Aus eisen- und manganfreiem Wasser kann auch Nitrat, mittels Ionentauscher, aus dem Trinkwasser entfernt werden.
 

 

  Aus www.bau.de

 

Die Verwendung von Kupferrohr in der Heizungsinstallation ist unproblematisch, da Heizungswasser kurze Zeit nach Inbetriebnahme einfach ausgedrückt "totes Wasser" ist, und mit dem Kupferrohr keine korrosive Verbindung eingeht.
Im Bereich Trinkwasser sieht es sehr wohl schon anders aus. Durch die fortschreitende Zerstörung unserer Umwelt wird die Herstellung unseres zu Recht gelobten Trinkwassers nach DIN 2000 mittlerweile für die Wasserversorger immer schwieriger. Daher wird in einigen Regionen Deutschlands auf die Verwendung von Kupferrohr in der Trinkwasserinstallation verzichtet. So gibt es z.B. in Teilen am Niederrhein Probleme mit dem zu weichen(!) Wasser, wodurch die Rohre in wenigen Jahren papierdünn werden und es zu Lochfraßkorrosion kommt. Dort wird meist in verzinktem Stahlrohr, Kunststoffrohren, oder auch Metall-Verbundrohren installiert.
Voraussetzung für jede Rohrart, die in der Trinkwasserinstallation Verwendung finden soll, ist jedoch seine Normung und DVGW-Zulassung. Auf Kupferrohe bezogen, gilt seit einiger Zeit die europäisch harmonisierte Norm der DIN-EN 1057 (alt: DIN 1786), wobei ein Qualitätsmerkmal das RAL-Gütesiegel ist, und in bester Qualität das Rohr, dass nach dem sog. SANCO-Verfahren hergestellt wurde. Sollten Sie also ein SANCO-Rohr kaufen, ist es egal(auch wenn in Deutschland jetzt sehr laut aufgebrüllt wird), ob es z.B. EURO-Sanco von Boulieden aus Belgien, oder DEUTSCHES(!) SANCO von den Wieland-Werken, oder von Kabelmetal ist. Da SANCO ein geschütztes Verfahren ist, haben sich ALLE Hersteller daran zu halten und geben entsprechend ihre Gewährleistungen. Jedes einzelne Rohr MUSS übrigens gekennzeichnet sein!
http://www.kupfer.org/
 http://www.wieland.de/


    www.bauweise.net